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Seeland

21. Mai 2026 durch
Ulaş AKTAŞ
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Das Gebiet um den Simav-See, das heute landwirtschaftlich genutzt wird und sich um den Stadtteil Çaysimav erstreckt, blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück und zählt zu den bemerkenswertesten Beispielen ökologischer Transformation in der Türkei. Von der Antike bis heute war diese Region Schauplatz sowohl von Reichtum als auch des Kampfes zwischen Natur und Mensch.

Nachfolgend finden Sie eine detaillierte Geschichte der Region um den Simav-See von der Antike bis zur Gegenwart:

Antike und frühe Siedlungen

Die Gegend um den See und das Simav-Becken blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. reicht. Die durch Wasser und fruchtbare Böden gebotenen Lebensmöglichkeiten haben die Region in jeder Epoche attraktiv gemacht.

  • Frühe Völker und Phryger: Bis etwa 1200 v. Chr. lebte in der Region ein Volk namens Abait, danach siedelten sich phrygische Stämme aus Thrakien und Çanakkale in dem Gebiet an.

  • Synaus und Ankyra: Während der hethitischen, phrygischen und römischen (byzantinischen) Zeit existierten zwei wichtige antike Siedlungen: „Synaus“ (das heutige Simav) im Südosten des Sees und „Ankyra“ (das heutige Boğazköy) im Nordwesten.

Türkische Herrschaft und die osmanische Zeit

Aufgrund ihrer strategischen Lage und ihrer Wasserressourcen war die Region während der Seldschuken- und Beylik-Zeit auch ein wichtiger Transit- und Unterkunftsort.

  • Erste Eroberung (1113): Simav und seine Umgebung wurden vom seldschukischen Feldherrn Emir Muhammet erobert, fielen aber kurz darauf wieder in byzantinische Hände zurück.

  • Germiyaniden (1305–1327): Der Gründer des Germiyan-Beyliks, I. Yakup Bey, ließ die Pferde seines Heeres am Ufer des Simav-Sees rasten, bevor er zum Feldzug gegen Alaşehir aufbrach. Die endgültige türkische Vorherrschaft in der Region begann 1327, als Germiyanoğlu Çağaşan Mehmet Bey das Gebiet von den spanischen katalanischen Söldnern eroberte.

Der Trocknungsprozess des Simav-Sees (1959 - 1982)

Bis in die 1960er Jahre war der Simav-See ein flacher, natürlicher Süßwassersee mit einer Fläche von etwa 18.000 Dekar (2065 Hektar). Sein Schicksal wurde während der Republikzeit durch die Agrar- und Gesundheitspolitik völlig verändert.

  • Gründe für die Austrocknung: Das Seegebiet verwandelte sich, insbesondere in den Sommermonaten, in ein Sumpfgebiet, was zu einer starken Mückenvermehrung und schweren Malariaerkrankungen unter der lokalen Bevölkerung führte. Zudem bestand das Ziel, der wachsenden Bevölkerung neue und fruchtbare landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung zu stellen.

  • Entwässerungsarbeiten: Mit einem 1959 von der Staatlichen Wasserbehörde (DSI) geplanten und 1961 initiierten Projekt begann man, das Seewasser über von Boğazköy aus geöffnete Kanäle abzuleiten.

  • Abschluss: Es dauerte etwa 20 Jahre, bis der See vollständig ausgetrocknet war, und der Trocknungsprozess wurde 1982 offiziell abgeschlossen.

Landwirtschaftliche und ökologische Auswirkungen auf das Seegebiet

Das riesige Land, das durch das Austrocknen des Sees entstanden war, wurde von der Direktion für Land- und Agrarreform des Ministerpräsidenten an Tausende von Bauernfamilien verpachtet, die in nahegelegenen Siedlungen wie Çaysimav, Öreyler, Gümüşsu, Çitgöl, Naşa und Güney lebten.

  • Landwirtschaftliche Produktion: Das Land wurde intensiv für den Anbau von Sonnenblumen, Weizen, Mais, Gerste und insbesondere der „Simav-See-Bohne“ genutzt, die landesweite Berühmtheit erlangte.

  • Klimawandel: Die ökologischen Kosten des Austrocknungsprozesses waren erheblich. Das Mikroklima der Region hat sich verändert; während der durchschnittliche Jahresniederschlag in der Region zwischen 1975 und 1981 1015 mm betrug, ist er nach dem Austrocknen des Sees auf 709 mm gesunken, und es kam zu einem deutlichen Anstieg der regionalen Temperaturen.

  • Biologischer Verlust: Fischarten, die nur in diesem See vorkamen, Frösche und die Lebensräume von Zugvögeln wurden vernichtet, und das Feuchtgebiet-Ökosystem wurde weitgehend zerstört.

Heute: Der Kampf der Natur um die Rückeroberung des Seeufers

Heute ist das Gebiet um den Simav-See einerseits weiterhin das Herzstück der landwirtschaftlichen Produktion, andererseits dient es als Bühne für den Kampf der Natur um ihr eigenes Gleichgewicht.

  • Überschwemmungen: Dieses Gebiet, ursprünglich ein Seebecken (ein Senkungsgebiet), wird aufgrund des hohen Grundwasserspiegels und starker Regenfälle bzw. Schneeschmelze in den Winter- und Frühjahrsmonaten häufig erneut überflutet. Dadurch werden mitunter Tausende Hektar Ackerland beschädigt.

  • Bodensenkungen und damit verbundene Probleme: Es werden geologische Probleme wie Bodensenkungen und das Verbrennen des austrocknenden organischen Torfbodens beobachtet.

  • Umweltbewusstsein: In den letzten Jahren diskutieren lokale Umweltverbände angesichts der Verschmutzung der durch das entwässerte Land fließenden Wasserläufe und der Auswirkungen der globalen Klimakrise darüber, ob das Seegebiet durch ökologische Wiederherstellung teilweise wieder in seinen früheren Feuchtgebietszustand zurückversetzt werden kann.

Ulaş AKTAŞ 21. Mai 2026
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Çaysimav: Spuren der Vergangenheit